Martin Suffel im Gespräch mit Linde MH Chef Andreas Krinninger

 

20.03.2017

"Automatisierte Fahrzeuge, ausgefeilte Sicherheitslösungen, hier sind wir schon sehr weit"

Anfang 2017 trafen sich Martin Suffel, Geschäftsführer Suffel Fördertechnik, und Andreas Krinninger, CEO Linde MH, zum Gespräch im Suffel Gebraucht- und Miet-Center in Niedernberg.

1 Herr Krinninger, Sie sind jetzt seit Anfang 2016 CEO von Linde Material Handling, der führenden Marke des Konzerns. Was sind die wichtigsten Erkenntnisse?
Erste wichtige Erkenntnis für mich war und ist – wir haben eine tolle Mannschaft. Das mag sich abgenutzt anhören, ist aber tatsächlich so. Das Maß an
Begeisterung und Engagement unserer Teams für die Marke Linde an den Standorten hier in Deutschland und in unserer Vertriebsmannschaft weltweit ist wirklich außergewöhnlich.

Zweitens: Bei früheren beruflichen Stationen war ich selbst Kunde von Linde, daher wusste ich natürlich, dass Linde eine starke Marke ist. Aber dass unsere Kunden – wie kürzlich in einer Kundenbefragung wieder bestätigt – Linde praktisch in allen für die Kaufentscheidung relevanten Kriterien vorne sehen, freut mich ganz besonders. Das unterstreicht das hohe Vertrauen in die Marke Linde.

Linde CEO Andreas Krinninger informiert sich im Suffel Gebraucht-Center und Miet-Center in Niedernberg.

2 Was haben Sie als primäre Handlungsfelder identifiziert?
Damit wir auch in Zukunft erfolgreich sind, müssen wir aus meiner Sicht drei Dinge tun. Zuallererst müssen wir verstehen, welchen Herausforderungen sich unsere Kunden künftig stellen müssen. Große Veränderungen wie die Digitalisierung und die Globalisierung stehen hier im Fokus, aber beispielsweise auch das sich verändernde Konsumverhalten der Menschen und seine Auswirkungen, immer individuellere Produkte oder der wachsende Onlinehandel. Nur wenn wir diese Trends verstehen, können wir uns strategisch richtig aufstellen.

Auf dieser strategischen Grundlage können wir, zweitens, die technischen Innovationen entwickeln, die unseren Kunden einen signifikanten Mehrwert und uns im Wettbewerb auch in Zukunft den entscheidenden Vorsprung verschaffen. Doch um die dafür notwenigen Investitionen stemmen zu können, brauchen wir – und das ist das dritte Handlungsfeld – operative Exzellenz. Damit wir unsere aktuellen Marktchancen optimal nutzen können, werden unsere Prozesse kontinuierlich verbessert und beschleunigt, um so sicher zu stellen, dass bei den Kunden immer das passende Produkt angeboten wird, in der richtigen Qualität zum richtigen Zeitpunkt angeliefert wird und die Nutzung durch einen qualifizierten Service immer gewährleistet ist.

3 Alle reden von Intralogistik 4.0: Alter Wein in neuen Schläuchen?
Tatsächlich ist die Digitalisierung ja kein Phänomen das gerade eben erst aufgetaucht ist, sondern seit Jahr-zehnten voranschreitet. Fahrerlose Transportsysteme oder automatisierte Lager gibt es schon eine ganze Weile, nun allerdings mit höherer Leistungsfähigkeit bei gleichzeitig besserem Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Was tatsächlich neu ist und wirklich signifikante Effizienzgewinne ermöglicht, das ist die digitale Steuerung und Vernetzung der Produkte, Prozesse und Maschinen in der Produktion und Logistik. Was bedeutet das für uns? Unser Ansatz war ja schon immer, die Anforderungen unserer Kunden genau zu verstehen und maßgeschneiderte Lösungen am Fahrzeug, die optimal zugeschnittene Flotte und die  passende  Materialflusssteuerung zu entwickeln.

Martin Suffel im Gespräch mit Andreas Krinninger, Linde MH CEO
4 Was müssen die Produkte der Zukunft können, wohin geht die technologische Entwicklung?
Ein Schlagwort der Intralogistik 4.0 lautet Losgröße eins. Das erfordert in einigen Industrien sicherlich andere Ladungsträger und eine Verschiebung vom Transport von großen zu kleineren Gebinden. Entsprechend werden sich die Fahrzeuge verändern – wir sehen das ja schon jetzt, z. B. in der Automobilindustrie. Wo früher Stapler unterwegs waren, bringen jetzt Logistikzüge die Teile ans Band.

Um mobile Arbeitsgeräte sinnvoll in digitale Prozesse zu integrieren, brauchen sie Sensoren und Technologie, die Daten sammeln und an die IT-Infrastruktur übergeben. Automatisierte Fahrzeuge brauchen ausgefeilte Sicherheitslösungen, um reibungslos auch mit Menschen zu interagieren. Und wir können Zustandsdaten aus dem Fahrzeug nutzen, um präventiv zu warten, die Auslastung analysieren und so die Verfügbarkeit optimieren. In diesem Bereich sind wir heute schon sehr weit.

Auf Ebene der Daten sprechen wir bereits von fahrzeugübergreifenden Lösungen und Dienstleistungen – Flottenmanagementsysteme, Ortungs- und Leitsysteme, die Fahrzeuge und Lagersysteme mit Warehouse Management und ERP-Systemen verknüpfen.

5 Wo sehen Sie die Marke Linde in fünf oder zehn Jahren?
Ich denke, mit unserem Fokus auf Kundenverständnis, Innovation und stetige Verbesserung sind wir hervorragend für die kommenden Herausforderungen gerüstet. Das hat z. B. die World of Material Handling 2016 gezeigt. Wir haben den Kunden darstellen können, dass wir wichtige Technologien wie Li-Ionen, wie Automatisierung, wie Sicherheitssensorik und IT beherrschen, und in der von Linde gewohnten Qualität und Leistungsfähigkeit zur Verfügung stellen können.

Unser Baukasten an Produkt- und IT-Lösungen wird sich schrittweise erweitern und wir werden unseren Kunden wesentlich stärker als heute individuell zugeschnittene Systemlösungen für ihre Logistikprozesse anbieten. Dabei wollen wir auch kleinere Unternehmen unterstützen, die Vorteile der neuen Technologien für sich nutzbar zu machen.

Wenn wir uns darüber hinaus wie bisher an unseren Markenwerten, wie Zuverlässigkeit, Flexibilität und Usability orientieren, bin ich mir sehr sicher, dass wir in zehn Jahren die technologischen Maßstäbe im Markt setzen mit Lösungen, die höchste Effizienz und die beste Sicherheit bieten.

Zwei gutgelaunte Geschäftsführer im Gespräch

6 Womit verbringen Sie Ihre Zeit, wenn Sie mal nicht an Flurförderzeuge denken (müssen)?
Material Handling steht für Bewegung. Bewegung hat auch in meiner Freizeit einen sehr hohen Stellenwert, ob beim Fußball mit meinen treffsicheren Jungs, beim Tennisspiel mit meinen engagierten Damen – Tochter und Frau – oder auf dem Mountainbike, wenn ich mit meinen Freunden durch die Mittel- und Hochgebirge „klettere“.

 

Das Interview finden Sie auch in unserer LiFT - Ausgabe 1/2017.

 

Zurück zur Übersicht